„Wir bauen nicht schneller. Wir warten weniger.“
Neubausprint in Berlin-Pankow: Die Terra Immobilien GmbH und Bauingenieur Ronald Meyer übertragen das Sprint-Prinzip aus der Altbausanierung auf den Mietwohnungsbau. Bundesbauministerin Verena Hubertz und Berlins Bausenator Christian Gaebler diskutieren das Pilotprojekt mit den Beteiligten.
Berlin, 12. Oktober 2026. Mehr Wohnungen mit denselben Fachkräften: Darum geht es beim Pilotprojekt „Neubausprint RR43“ der Terra Immobilien GmbH. In der Romain-Rolland-Straße 43 in Berlin-Pankow entstehen 24 Mietwohnungen in drei Häusern im Standard EH40 QNG, konventionell gebaut, Stein auf Stein. Ziel sind sechs Monate Bauzeit je Haus, branchenüblich sind nach Angaben von Terra 12 bis 18 Monate. Das erste Haus ist im Juli 2026 gestartet, die ersten Mieterinnen und Mieter sollen laut Zeitplan noch vor Weihnachten einziehen. Die Methode stammt von Dipl.-Ing. Ronald Meyer, dem Erfinder des Sanierungssprints. Beim Pressetermin am 12. Oktober sprechen Bundesbauministerin Verena Hubertz und Bausenator Christian Gaebler mit Robert Pflaum und Philip Wossilus von Terra sowie mit Meyer über das Vorhaben.
Die Idee stammt aus dem Fernsehen
2005 entwarf Meyer für die Sendung „Zuhause im Glück“ den Bauzeitenplan und die Baulogistik: Ein ganzes Haus musste in acht Tagen komplett renoviert werden. Davon nahm er zwei Erkenntnisse mit. Erstens: Auf Baustellen geht Zeit selten bei der Arbeit verloren, sondern beim Warten auf Material, auf Entscheidungen und auf andere Gewerke. Arbeiten die Gewerke parallel, verschwinden die Wartezeiten. Zweitens: Routine macht schnell. Bei der fünften Baustelle arbeiteten die Handwerker fast doppelt so schnell wie zu Beginn, weil immer dieselben Teams dieselben Arbeiten erledigten.
„Im Alltag ist jede Baustelle ein Prototyp, und die Teams werden jedes Mal neu zusammengewürfelt“, sagt Meyer. „Die Routine ist ein riesiger Hebel, den kaum jemand nutzt.“ 2023 übertrug er das Prinzip in Hamburg auf die energetische Sanierung eines Einfamilienhauses: 22 Arbeitstage statt sechs bis 18 Monate. Die ARD begleitete diesen ersten Sanierungssprint in der Dokumentation „Traumhaus in 4 Wochen“. Seitdem wurden rund 20 Altbauten im Sprint zu Effizienzhäusern saniert.
Wie groß der Hebel ist, zeigt eine Dokumentation des Sanierungssprints im Auftrag von DENEFF e. V. und Agora Energiewende aus dem Jahr 2024. Demnach entfallen auf herkömmlichen Baustellen nur rund 31 Prozent der Arbeitszeit auf die eigentliche Haupttätigkeit. Ein weiteres Drittel geht in Wege, Transporte, Material und Störungen.
Haus eins ist der Prototyp, Haus drei soll Routine sein
In Pankow entstehen die drei Häuser nacheinander. Genau das macht das Projekt zum Testfall: Teams und Abläufe sollen von Haus zu Haus eingespielter werden. „Haus eins ist der Prototyp. Haus drei soll Routine sein“, sagt Meyer, der den Bauzeitenplan für RR43 erstellt hat.
„Wir bauen für Berlin. Schneller.“ Unter diesem Satz stellt Terra das Projekt vor. Das Bauen selbst ist bewusst konventionell: kein Modulbau, keine neuen Baustoffe, keine Abstriche bei Qualität oder Sicherheit. „Neu ist der Prozess“, heißt es bei Terra. Alles ist vor dem ersten Bautag geklärt, ein stundengenauer Taktplan steuert alle Gewerke. Sobald die Gebäudehülle geschlossen ist, laufen Außen- und Innenbaustelle unabhängig voneinander weiter. Die Handwerksbetriebe bekommen dafür Planungssicherheit Wochen im Voraus und keine Standzeiten.
„Mehr Fachkräfte bekommen wir nicht. Also müssen dieselben Leute mehr schaffen, und das geht nur über Organisation“, sagt Meyer. „Der Bau-Turbo beschleunigt die Genehmigung, der Sprint beschleunigt den Bau. Erst zusammen wird daraus ein echter Turbo.“
Damit das Wissen nicht in Rente geht
Hinter der Methode steht ein ungewöhnliches Duo. Nach dem ersten Sanierungssprint 2023 sprach der Unternehmer Gregor Loukidis Meyer an. Loukidis ist 20 Jahre jünger und kommt aus der Startup-Szene, zuvor hat er unter anderem den Online-Solaranbieter zolar mitgegründet. Gemeinsam gründeten beide in Hamburg die Renaldo GmbH. „Dieses Wissen steckte bisher vor allem in meinem Kopf“, sagt Meyer. „Und ich werde nicht jünger.“
Loukidis hat Meyers Methodik in die Renaldo-App übertragen, inzwischen auch die für den Neubausprint. So können auch Bauleitungen nach dem Sprint-Prinzip planen, die Meyer nie getroffen haben. „Ich wäre diesen Weg allein nie gegangen“, sagt Meyer. „Und Gregor ohne mein Bauwissen wahrscheinlich auch nicht.“
Für Meyer schließt sich mit dem Berliner Projekt ein Kreis. „Bei ‚Zuhause im Glück‘ war der Einzug eine Überraschung“, sagt er. „Im Wohnungsbau soll er ein Termin sein, auf den sich die Mieter verlassen können.“ Für das erste Haus steht dieser Termin: vor Weihnachten 2026.
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